Burnout: Technik, Reifen und Drag Racing
Ein Burnout ist weit mehr als eine spektakuläre Rauchwolke. Im Drag Racing dient er dazu, die angetriebenen Reifen zu reinigen und auf die für ihren Gummimix geeignete Temperatur zu bringen. Auf öffentlichen Straßen ist er dagegen gefährlich, unnötig und rechtlich problematisch.
Was passiert bei einem Burnout?
Beim Burnout drehen die angetriebenen Räder schneller, als sich das Fahrzeug vorwärtsbewegt. Zwischen Reifen und Fahrbahn entsteht Schlupf. Reibung erwärmt die Lauffläche, Gummiabrieb und Feuchtigkeit werden entfernt, und bei ausreichender Temperatur entsteht der typische Rauch.
Der sichtbare Rauch stammt überwiegend von erhitztem und abgeriebenem Reifenmaterial. Mehr Rauch bedeutet nicht automatisch mehr Temperatur, bessere Traktion oder einen schnelleren Start.

Warum Drag Racer Burnouts machen
- Wasser und Schmutz von der Reifenoberfläche entfernen
- Drag Slicks beziehungsweise geeignete Rennreifen erwärmen
- eine griffige Kontaktfläche für den Start vorbereiten
- Funktion von Motor, Antrieb und Reifen vor dem Staging kurz prüfen
Wie lange ein Burnout dauern soll, hängt von Reifenmischung, Fahrzeug, Streckentemperatur und Vorgaben des Reifenherstellers ab. Straßenreifen reagieren anders als Drag Slicks. Ein unnötig langer Burnout kann sie überhitzen und die Haftung sogar verschlechtern.
Water Box und trockene Reifen
Auf vielen Drag Strips befindet sich vor dem Startbereich eine Water Box. Rennfahrzeuge rollen mit den angetriebenen Rädern durch einen flachen Wasserfilm, damit der Burnout leichter eingeleitet werden kann. Nicht angetriebene Räder sollten möglichst kein Wasser bis zur Startlinie tragen.
Profilierte Straßenreifen können Wasser in den Rillen aufnehmen und später unter dem Fahrzeug verteilen. Ob die Water Box genutzt oder umfahren wird, richtet sich daher nach Reifen und Streckenanweisung.
Line Lock und Bremsanlage
Ein Line Lock kann bei geeigneten Fahrzeugen den hydraulischen Druck an einer Achse vorübergehend halten. Bei einem heckgetriebenen Drag Car bleiben dadurch typischerweise die Vorderräder gebremst, während sich die Hinterräder drehen können.
Serienmäßige Line-Lock-Funktionen moderner Performance-Fahrzeuge dürfen nur entsprechend Betriebsanleitung und an einem geeigneten, abgesperrten Ort verwendet werden. Ein Line Lock ist kein Ersatz für Streckenfreigabe, Erfahrung oder technische Kontrolle.

Automatik und Handschaltung
Bei Automatikfahrzeugen entstehen während eines stehenden Burnouts hohe Belastungen und Temperaturen in Drehmomentwandler und Getriebe. Bei Handschaltern werden Kupplung, Antriebswellen und Differential stark beansprucht. Fehler können zu plötzlichem Grip, einem Satz nach vorne oder Bauteilschäden führen.
Eine allgemeine Schritt-für-Schritt-Anleitung wäre deshalb unseriös. Ablauf, Gangwahl und Dauer müssen zum konkreten Fahrzeug, Reifen und Reglement passen und sollten nur unter Anleitung erfahrener Streckenbetreuer erlernt werden.
Welche Reifen profitieren?
Drag Slicks und spezielle Drag Radials sind für ein definiertes Temperaturfenster ausgelegt. Bei ihnen kann ein kontrollierter Burnout die Starttraktion deutlich verbessern. Normale Straßenreifen werden durch übermäßiges Erhitzen häufig schmierig, verlieren Profil und können dauerhaft beschädigt werden.
Reifendruck, Alter, Tragfähigkeit und sichtbare Schäden müssen vor jedem Lauf kontrolliert werden. Reifen mit Rissen, Beulen oder beschädigter Karkasse gehören nicht auf die Strecke.
Rolling Burnout und stehender Burnout
Beim stehenden Burnout bleibt das Fahrzeug weitgehend an einer Position. Beim Rolling Burnout bewegt es sich kontrolliert nach vorne. Welcher Ablauf zugelassen und sinnvoll ist, bestimmt die Rennklasse beziehungsweise die Strecke.
Unkontrolliertes seitliches Ausbrechen ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Warnsignal. Lenkwinkel, unterschiedliche Reifentemperaturen, Sperrdifferential und Fahrbahnzustand können das Fahrzeug plötzlich versetzen.

Belastung für das Fahrzeug
- starker Reifenverschleiß
- hohe Temperatur in Getriebe und Differential
- Belastung von Kupplung, Wandler und Antriebswellen
- zusätzliche Beanspruchung von Bremsen und Radlagern
- mögliche Schäden an Lack und Karosserie durch Gummiabrieb
- Gefahr durch platzende oder bereits vorgeschädigte Reifen
Nach wiederholten Läufen sind Flüssigkeitstemperaturen, Reifendruck und sichtbare Bauteile zu kontrollieren. Leistungsstarke Fahrzeuge benötigen ausreichend Abkühlzeit.
Burnout-Wettbewerbe
Bei eigenen Burnout-Wettbewerben geht es stärker um Rauch, Fahrzeugkontrolle und Show als um die Vorbereitung auf einen Drag-Lauf. Dafür gelten spezielle Sicherheitszonen, technische Regeln und Veranstaltervorgaben. Solche Wettbewerbe dürfen nicht mit dem kurzen, zweckmäßigen Burnout vor einem Beschleunigungsrennen verwechselt werden.
Öffentliche Straße ist tabu
Burnouts gehören ausschließlich auf abgesperrte Flächen und Rennstrecken, auf denen sie ausdrücklich erlaubt sind. Auf öffentlichen Straßen gefährden Rauch, Lärm, Kontrollverlust und weggeschleuderte Teile andere Menschen. Zusätzlich drohen Anzeigen, Führerscheinmaßnahmen, Fahrzeugschäden und Probleme mit der Versicherung.
Auch auf Privatgrund sind Zustimmung des Eigentümers, ausreichende Sicherheitsabstände, Brandschutz, Lärmschutz und eine geeignete Versicherung notwendig.
Rücksicht auf Umwelt und Material
Reifenrauch und Gummiabrieb belasten Luft und Umgebung. Ein fachgerechter Burnout ist deshalb so kurz wie nötig. Reifenreste, Flüssigkeiten und beschädigte Teile müssen ordnungsgemäß entsorgt werden.
Verbindung zu Muscle Cars
Hoher V8-Drehmoment, Hinterradantrieb und Drag-Racing-Geschichte machten den Burnout zu einem festen Teil der Muscle-Car-Kultur. Road Runner, Charger, Mustang, Camaro und moderne Hellcat-Modelle werden häufig mit rauchenden Hinterreifen dargestellt. Technisch sinnvoll wird die Show aber erst dann, wenn sie kontrolliert der Reifenvorbereitung auf einer Rennstrecke dient.
Mehr über Startablauf, Viertelmeile und Rennklassen steht auf unserer Seite Drag Racing und Muscle Cars.
