HEMI-Motoren

Chrysler FirePower Hemi V8 von 1956 auf einem Motorständer

HEMI ist einer der berühmtesten Namen der amerikanischen Motorengeschichte. Technisch verweist er auf einen annähernd halbkugelförmigen Brennraum; als Markenname steht HEMI heute vor allem für die leistungsstarken V8-Motoren von Chrysler, Dodge, Ram und Mopar.

Was bedeutet HEMI?

Der Name leitet sich vom englischen „hemispherical combustion chamber“ ab. Bei einem klassischen Hemi-Brennraum stehen Einlass- und Auslassventil einander in einem gewölbten Brennraum gegenüber. Dadurch können große Ventile und günstige Strömungswege realisiert werden. Die Zündkerze lässt sich nahe der Brennraummitte anordnen, was eine gleichmäßige Verbrennung unterstützt.

Ein halbkugelförmiger Brennraum erzeugt aber nicht automatisch mehr Leistung. Ventilgrößen, Verdichtung, Nockenwelle, Ansaugung, Abgasanlage und Abstimmung bleiben ebenso entscheidend.

Vorteile und Nachteile

Die klassische Konstruktion bietet mehrere technische Vorteile:

  • große, gegenüberliegende Ventile
  • guter Gasdurchsatz bei hohen Drehzahlen
  • günstige Position der Zündkerze
  • hohes Leistungspotenzial bei passender Abstimmung

Dem stehen konstruktive Nachteile gegenüber:

  • breite und schwere Zylinderköpfe
  • aufwendiger Ventiltrieb
  • vergleichsweise große Brennraumoberfläche
  • schwierige Abstimmung auf moderne Verbrauchs- und Emissionsziele

Moderne HEMI-Motoren besitzen daher keine mathematisch perfekte Halbkugel. Der Name beschreibt eine weiterentwickelte Brennraumidee und zugleich eine geschützte Chrysler-Motorenmarke.

Hemi-Technik gab es schon vor Chrysler

Halbkugelförmige Brennräume wurden bereits lange vor Chryslers HEMI-Motoren im Renn- und Flugmotorenbau eingesetzt. Auch europäische Hersteller verwendeten ähnliche Konzepte. Chrysler hat die Technik also nicht erfunden, machte sie aber durch Großserien-V8, Motorsport und konsequentes Marketing weltweit bekannt.

Die erste Chrysler-Generation ab 1951

Chryslers erster moderner Hemi-V8 erschien 1951 als 331-cui FirePower. Dodge und DeSoto entwickelten eigene, konstruktiv verwandte Motorfamilien mit Namen wie Red Ram und FireDome. Sie waren keine bloß unterschiedlich beschrifteten Varianten desselben Blocks, sondern besaßen markenspezifische Abmessungen und Bauteile.

Diese frühen Hemi-Motoren verbanden hohe Verdichtung, gute Atmung und robuste Bauweise. Sie wurden in Serienfahrzeugen, im Drag Racing, auf den Salzseen und in frühen amerikanischen Performance-Modellen eingesetzt. Der Chrysler 300 von 1955 machte das Konzept besonders sichtbar.

Chrysler FirePower Hemi V8 von 1956 auf einem Motorständer
1956 Chrysler FirePower Hemi. Foto: Herranderssvensson / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0).

Der legendäre 426 Race HEMI

Für den Rennsport entwickelte Chrysler den 426 Race HEMI, der 1964 im NASCAR-Einsatz auf Anhieb für Aufsehen sorgte. Sein Hubraum von nominell 426 cubic inches entspricht rund 7,0 Litern. Große Ventile, Cross-Bolted-Hauptlager, massive Zylinderköpfe und enorme Strömungsreserven machten ihn zu einem der bedeutendsten US-Rennmotoren.

Weil Motorsportverbände eine ausreichende Seriennähe verlangten, folgte für das Modelljahr 1966 der Street HEMI. Er blieb bis 1971 erhältlich und wurde werksseitig mit 425 hp nach SAE Gross sowie 490 lb-ft, also rund 664 Nm, angegeben.

Zu den berühmtesten 426-HEMI-Modellen zählen Dodge Charger und Challenger, Plymouth Road Runner, GTX, Superbird und ’Cuda. Originale Fahrzeuge sind heute selten, teuer und entsprechend häufig Gegenstand von Umbauten oder Nachbauten. Dokumentation und korrekte Identifikationsnummern sind deshalb besonders wichtig.

426 Street HEMI V8 von 1966 mit Luftfilter und Abgaskrümmern
426 Street HEMI von 1966. Foto: Greg Gjerdingen from Willmar, USA / Wikimedia Commons (CC BY 2.0).

426 HEMI: Straße und Rennstrecke waren nicht identisch

Race HEMI, Street HEMI und spätere Drag-Racing-Ausführungen unterscheiden sich in Verdichtung, Nockenwelle, Ansaugung, Abgasanlage und weiteren Details. Leistungswerte aus NASCAR, NHRA, Prüfstandsläufen und Serienprospekten dürfen daher nicht ohne Kontext verglichen werden.

Auch die berühmten 425 hp sind eine historische SAE-Gross-Angabe. Sie entsprechen nicht direkt einer heutigen Nettoleistung am eingebauten Motor und schon gar nicht einer Messung an den Hinterrädern.

Die moderne dritte HEMI-Generation

2003 kehrte der HEMI-Name mit einem neuen 5,7-Liter-V8 in die Großserie zurück. Dieser sogenannte Gen-III-HEMI übernahm die Grundidee günstiger Ventil- und Zündkerzenpositionen, ist aber eine moderne Neukonstruktion und kein wiederaufgelegter 426.

Je nach Version kamen elektronische Einspritzung, zwei Zündkerzen pro Zylinder, variable Nockenwellensteuerung und Zylinderabschaltung hinzu. Die Motoren wurden in Pick-ups, SUVs und Pkw eingesetzt und entwickelten sich zur Grundlage der modernen Dodge- und Ram-Performance-Ära.

Moderner 5,7-Liter-HEMI Magnum V8 der dritten Generation
5,7-Liter-HEMI der dritten Generation. Foto: Greg Gjerdingen from Willmar, USA / Wikimedia Commons (CC BY 2.0).

Wichtige moderne HEMI-Varianten

Motor Einführung Typische Verwendung
5,7 Liter HEMI 2003 Ram, Dodge und Chrysler Serienmodelle
6,1 Liter HEMI 2005 erste moderne SRT-8-Generation
6,4 Liter / 392 HEMI 2011 SRT-, Scat-Pack-, SUV- und Heavy-Duty-Anwendungen
6,2 Liter Kompressor-HEMI 2015 Hellcat, Redeye, Demon, Trackhawk und TRX

„392“ bezieht sich auf den gerundeten Hubraum in cubic inches und erinnert zugleich an historische Chrysler-Motoren. Der moderne 6,4-Liter-HEMI ist technisch jedoch eine Gen-III-Konstruktion.

Hellcat, Demon und mehr als 1.000 hp

Der aufgeladene 6,2-Liter-HEMI eröffnete 2015 mit 707 hp im Dodge Challenger SRT Hellcat eine neue Leistungsklasse für Großserien-Muscle-Cars. Spätere Versionen steigerten Leistung, Ladedruck, Kraftstoffversorgung und Kühlung weiter.

Den bisherigen Höhepunkt unter den straßenzugelassenen Dodge-Serienmodellen markierte der Challenger SRT Demon 170 mit einer Herstellerangabe von bis zu 1.025 hp bei geeignetem E85-Kraftstoff. Solche Spitzenwerte gelten nur unter den jeweils vorgeschriebenen Betriebsbedingungen.

Kompressor-V8 im Motorraum eines Dodge Challenger SRT Hellcat
6,2-Liter-Kompressor-HEMI des Challenger SRT Hellcat. Foto: Yahya S. from Livonia, United States / Wikimedia Commons (CC BY 2.0).

HEMI heute

Der HEMI-Name gehört heute zum Stellantis-Konzern und ist nicht mehr – wie in alten Texten häufig zu lesen – eine Marke von DaimlerChrysler. Das Modellangebot verändert sich laufend: Einige Baureihen wechselten zu Turbo-Sechszylindern oder Elektroantrieb, während HEMI-V8 je nach Modelljahr weiterhin in ausgewählten Pick-ups, SUVs, Performance-Fahrzeugen und als Mopar- beziehungsweise Direct-Connection-Motoren angeboten werden.

Darum sollte bei aktuellen Fahrzeugen immer das konkrete Modelljahr geprüft werden. „HEMI“ bezeichnet weder automatisch 426 cubic inches noch eine bestimmte Leistung, sondern eine ganze Familie historischer und moderner Motoren.

HEMI oder Hemi?

Für die allgemeine Brennraumform ist „Hemi“ als Kurzform üblich. Bei Chrysler-, Dodge-, Ram- und Mopar-Motoren wird der Markenname offiziell in Großbuchstaben als HEMI geschrieben. In beiden Fällen geht es um dasselbe Grundwort, aber nicht zwangsläufig um dieselbe Motorkonstruktion.

Quellen und weiterführende Informationen

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