1972 Chevrolet Camaro Z28 mit 68.000 Meilen: 383 Stroker zu verkaufen
Dieser 1972er Chevrolet Camaro Z28 ist kein frisch aufgebautes Showcar ohne Geschichte: Der Verkäufer besitzt ihn seit 1984. Heute trägt der goldene Second-Gen-Camaro einen auf 383 cui vergrößerten Small-Block, ein Muncie-Vierganggetriebe und 68.000 angezeigte Meilen. Versteigert wird er aktuell bei Bring a Trailer.

Seit 42 Jahren beim selben Besitzer
Die ursprüngliche Meldung von Autoblog führt direkt zu einem bemerkenswert gut dokumentierten Bring-a-Trailer-Inserat. Der Anbieter mit dem Nutzernamen 1972Z28SPECIAL kaufte den Camaro bereits 1984. Von den derzeit angezeigten 68.000 Meilen – rund 109.400 Kilometer – sollen etwa 4.000 Meilen während seiner Besitzzeit dazugekommen sein.
2012 wurde der Wagen überarbeitet und in seiner zum Cowl Tag passenden Farbe Placer Gold mit schwarzen Streifen neu lackiert. Der Look ist herrlich oldschool: geteilte Frontstoßstangen, RS-Grill, Cowl-Induction-Haube, Spoiler vorne und hinten sowie verchromte 15-Zoll-Cragar-S/S-Felgen. Die montierte Cowl-Haube ist nicht original; die demontierte Haube gehört laut Anzeige zum Lieferumfang.

Aus dem 350er wurde ein 383-cui-Small-Block
Ab Werk hatte der Z28 einen 350-cui-Turbo-Fire-V8 mit Vierfachvergaser, also 5,7 Liter Hubraum. Chevrolet nannte 255 SAE net hp bei 5.600/min und 280 lb-ft bei 4.000/min – rund 259 PS und 380 Nm. Beim angebotenen Auto blieb es nicht dabei.
Nach Angaben des Verkäufers wurde der werksseitige V8 von NHRA-Rennfahrer und Mechaniker Bill Stiles aufgebohrt und auf 383 cui beziehungsweise rund 6,3 Liter vergrößert. Der 2012 eingebaute Motor besitzt unter anderem eine Billet-Kurbelwelle, geschmiedete Pleuel, Aluminium-Zylinderköpfe, eine polierte Aluminium-Ansaugbrücke, Holley-Vierfachvergaser, HEI-Zündung und Aluminium-Ventildeckel.

Die Kraft geht über ein Muncie-Vierganggetriebe an eine 10-Bolt-Hinterachse mit Sperrdifferenzial und kurzer 4,56:1-Übersetzung. Beschichtete Fächerkrümmer münden in eine Doppelauspuffanlage mit Flowmaster-Schalldämpfern. Hotchkis-Subframe-Connectoren, verstellbare Traction Bars und hintere Monoleaf-Federn ergänzen das Fahrwerk. Servolenkung, Scheibenbremsen vorne und Trommeln hinten sind ebenfalls vorhanden.
Schwarz, schlicht und herrlich analog
Innen wartet schwarzes Vinyl auf den vorderen Einzelsitzen und der Rückbank. Mittelkonsole, Hurst-T-Griff, AM-Radio, Heizung und die klassischen Rundinstrumente passen zur ehrlichen Seventies-Atmosphäre. Ein zusätzliches AutoMeter-Öldruckinstrument sitzt an der Lenksäule.


68.000 Meilen „shown“: Das kleine Wort ist wichtig
„Shown“ bedeutet bewusst nicht „garantierte Originallaufleistung“. Der Camaro besitzt einen fünfstelligen Meilenzähler. Nach 99.999 Meilen beginnt die Anzeige wieder von vorne. Die 68.000 Meilen sind daher zunächst nur ein abgelesener Stand. Historische Titel, Rechnungen und Servicebelege müssen zeigen, ob die Laufleistung plausibel ist.
Das Inserat nennt rund 4.000 Meilen seit 1984. Für Käufer bleibt trotzdem entscheidend, die vollständige Dokumentation zu prüfen. Bei einem über fünf Jahrzehnte alten, leistungsgesteigerten Muscle Car sagen Zustand, Aufbauqualität und belegte Historie meist mehr als die Zahl am Tacho.
Cowl Tag und VIN sprechen für einen echten Z28
Besonders wertvoll sind die Detailfotos der Identifikationsmerkmale. Der Fisher Body Tag nennt Style 72 12487 für das Camaro Sport Coupé, Trim 775 für schwarzes Standard-Vinyl, Paint 53 53 für Placer Gold sowie Z28 YF8 für das Z28-Paket mit schwarzen Streifen. Die Markierung 02D steht für die vierte Februarwoche.

Die fotografierte VIN lautet 1Q87L2N159987. Dabei steht Q für Camaro, 87 für das Sport Coupé, L für den Z28-350er, 2 für das Modelljahr und N für das Werk Norwood. Genau dort wurden alle 1972er Camaros gebaut. Vor einem Kauf sollte man dennoch Motorstempel, Gussnummern, Getriebe, Hinterachse und Dokumente persönlich abgleichen – besonders weil der Motor umfassend umgebaut wurde.
Nur 2.575 Z28 im Streikjahr 1972
Der Jahrgang ist vergleichsweise selten. Ein 117 Tage dauernder Streik im Werk Norwood drückte die Camaro-Gesamtproduktion auf 68.651 Fahrzeuge. Laut GM Heritage mussten nach Streikende rund 1.100 teilweise montierte Autos verschrottet werden, weil eine Anpassung an strengere Vorschriften für 1973 zu teuer gewesen wäre.
Nur 2.575 Fahrzeuge erhielten das RPO-Z28-Paket. 1972 war außerdem das letzte Modelljahr für das Camaro-SS-Paket und den 402-cui-Big-Block, den Chevrolet weiterhin als „396“ vermarktete.
Was man vor dem Bieten prüfen sollte
- Motorstempel und Unterlagen zum 383-cui-Aufbau von Bill Stiles
- Zustand von Boden, Schwellern, Federaufnahmen und vorderem Hilfsrahmen
- Lackmängel, insbesondere die im Inserat erwähnten Stellen an der Unterseite des Kofferraumdeckels
- Muncie-Getriebe, 10-Bolt-Hinterachse und Funktion der 4,56er Sperre
- Qualität der Subframe-Connectoren, Traction Bars und Abgasanlage
- Plausibilität des angezeigten Meilenstands anhand historischer Belege
- Umfang und Zustand der mitgelieferten Originalhaube, Dokumente und historischen Fotos

Auktion und vorläufiges Fazit
Bei unserer Prüfung am 9. August 2026 lag das Höchstgebot bei 26.000 US-Dollar. Die No-Reserve-Auktion soll am 14. August enden; der aktuelle Betrag und die Restlaufzeit können sich naturgemäß jederzeit ändern. Standort ist York im US-Bundesstaat Pennsylvania. Der Pennsylvania-Titel trägt laut Anzeige den Zusatz „Antique“.
Der Reiz dieses Z28 liegt nicht in perfekter Werksoriginalität. Cowl-Haube, Stroker-Motor, Cragar-Felgen und 4,56er Achse machen ihn vielmehr zu einem echten Day-Two-Muscle-Car – genau so, wie viele Camaros schon in den Siebzigern und Achtzigern individualisiert wurden. Dazu kommen 42 Jahre beim selben Besitzer und eine ungewöhnlich umfangreiche Fotodokumentation. Wenn Karosserie, Codes und Rechnungen einer persönlichen Prüfung standhalten, ist das ein verdammt charaktervoller Z28.
1972 Chevrolet Camaro Z28: Bildergalerie der Verkaufsanzeige
- Verkaufsfoto 1: Frontansicht schräg links. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 5: linke Seitenansicht. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 6: Heckansicht schräg links. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 10: RS-Grill und Doppelscheinwerfer. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 15: Heck mit Spoiler und Doppelleuchten. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 32: Cowl-Haube und schwarze Streifen. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 40: Karosserie- und Ausstattungsdetail des Camaro Z28. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 44: schwarze Vordersitze und Mittelkonsole. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 45: Cockpit und Armaturenbrett. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 64: Tachometer mit rund 68.000 Meilen. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 69: Hurst-T-Griff des Vierganggetriebes. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 76: schwarze Rücksitze. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 93: Kofferraum mit Reserverad und Wagenheber. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 98: Kofferraum- oder Lackdetail des Camaro Z28. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 103: Motorraum mit 383-cui-V8. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 110: Holley-Vierfachvergaser. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 117: Unterboden und Vorderachse. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 122: Doppelauspuff mit Flowmaster-Schalldämpfern. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 128: eingeschlagene Fahrgestellnummer. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL
- Verkaufsfoto 129: Fisher Body Tag mit Z28-YF8-Code. Bild: Bring a Trailer/Verkäufer 1972Z28SPECIAL




















