SRT eBoost Air: Turbo-Loch-Killer in sieben Wochen

Hurricane-Sechszylinder mit rotem SRT-eBoost-Air-Verdichter im Motorraum

SRT hat in nur sieben Wochen einen fahrbereiten eBoost-Air-Prototyp aufgebaut. Ein elektrisch angetriebener Zusatzverdichter soll den 3,0-Liter-Hurricane praktisch ohne das übliche Warten auf Ladedruck losstürmen lassen – und dem Twin-Turbo-Sechszylinder ein bissl vom spontanen Punch eines Kompressor-V8 mitgeben.

Hurricane-Sechszylinder mit rotem SRT-eBoost-Air-Verdichter im Motorraum
Der SRT-eBoost-Air-Prototyp im Motorraum: Rechts sitzt der rot lackierte elektrische Zusatzverdichter. Bild: SRT/Stellantis

Kein Elektro-Turbo im engeren Sinn

Der Name kann ein wenig in die Irre führen. eBoost Air treibt nicht die Welle eines vorhandenen Turboladers elektrisch an. Stattdessen sitzt ein eigener elektrischer Verdichter vor den beiden klassischen, vom Abgas angetriebenen Turbos. Bei niedriger Drehzahl presst er sofort Luft in den Ansaugtrakt; sobald die beiden Abgasturbos genügend Druck liefern, öffnet ein Bypass und der Zusatzverdichter ist aus dem Luftweg.

Technisch ist das also eher ein elektrischer Kompressor als ein echter E-Turbo. Ähnliche Grundideen gab es bereits bei anderen Herstellern. Spannend ist bei SRT vor allem die kompakte Ausführung: Laut MotorTrend versorgt eine 48-Volt-Batterie mit nur 1 Ah den Verdichter. Geladen wird sie über einen DC/DC-Wandler und eine stärkere 12-Volt-Lichtmaschine. SRT untersucht nach Angaben von Entwicklungschef Joel Baker auch Kondensatoren als möglichen Energiespeicher.

Nahaufnahme des roten elektrischen SRT-eBoost-Air-Verdichters und seiner Ansaugschläuche
Der separate elektrische Verdichter baut Ladedruck auf, bevor die beiden Abgasturbos voll arbeiten. Bild: SRT/Stellantis

0,65 Sekunden bis zu 10 psi Ladedruck

Im Versuchsträger – einem Jeep Grand Cherokee mit 3,0-Liter-Hurricane-Twin-Turbo – soll eBoost Air innerhalb von 0,65 Sekunden bis zu 10 psi, also rund 0,69 bar, im Ansaugkrümmer aufbauen. SRT spricht von einem praktisch beseitigten Turboloch. Das ist allerdings eine Herstellerangabe aus einem frühen Entwicklungsprojekt und noch kein unabhängig gemessener Serienwert.

Wichtig: Der elektrische Verdichter erzeugt die zusätzliche Spitzenleistung nicht allein. Er verbessert vor allem das Ansprechverhalten und gibt den Entwicklern Spielraum für größere Turbos oder eine aggressivere Abstimmung. MotorTrend nennt für den Prototyp nach neuer Kalibrierung und verstärktem Antriebsstrang 620 hp und 600 lb-ft – umgerechnet rund 629 PS und 813 Nm – statt zuvor 550 hp und 531 lb-ft, also etwa 558 PS und 720 Nm.

Bei den genannten Leistungswerten ist Vorsicht angesagt: Car and Driver leitete aus einer Aussage über 90 zusätzliche hp sogar rund 640 hp ab. Da SRT bislang weder homologierte Daten noch ein Serienfahrzeug präsentiert hat, behandeln wir diese Zahlen als vorläufige Prototypwerte.

Warum SRT den Kompressor-V8 nachahmen will

Wer einmal einen Hellcat-HEMI mit mechanischem Kompressor erlebt hat, kennt den Unterschied: Gas geben, und der Schub ist praktisch sofort da. Ein großer Turbo kann oben heraus gewaltig anschieben, braucht unten aber Zeit und Abgasstrom. Genau dieses spontane, lineare Gefühl eines Kompressor-V8 will SRT mit dem Hurricane-Sechszylinder nachbilden – ohne dafür wieder einen 6,2-Liter-Hellcat unter die Haube zu packen.

Das Konzept entstand laut den beteiligten Entwicklern vom ersten Einfall bis zum fahrenden Grand Cherokee in gerade einmal sieben Wochen. Das zeigt, wie viel mit vorhandenen Komponenten, sauberer Regelung und einer überschaubaren 48-Volt-Lösung möglich ist. Es zeigt aber noch nicht, ob Haltbarkeit, Hitzehaushalt, Kosten und Packaging für die Serie passen.

Charger, Trackhawk oder doch gar keine Serie?

Stellantis hat derzeit keine Serienproduktion bestätigt. Ein Dodge Charger mit Hurricane-SIXPACK oder ein neuer Grand Cherokee SRT beziehungsweise Trackhawk wären aus Enthusiastensicht naheliegende Kandidaten, bleiben aber Spekulation. Baker bezeichnete außerdem eine Kombination mit dem kleineren 2,0-Liter-Hurricane-Vierzylinder als logische Weiterentwicklung.

Für uns klingt eBoost Air jedenfalls nach klassischer SRT-Denke: keine unnötig komplizierte Hochvolt-Show, sondern ein rotes Gebläse, ein kleiner Energiespeicher und möglichst viel Druck genau dann, wenn der rechte Fuß ihn verlangt. Ob daraus wirklich ein Serien-Muscle-Car wird, müssen die nächsten Entwicklungsschritte zeigen. Spannend ist das kleine Biest aber jetzt schon.

SRT eBoost Air: vollständige offizielle Bildergalerie

Quellen: Autoblog – SRT Built a Turbo-Lag Killer in Just Seven Weeks, MotorTrend – technische Angaben und Entwicklergespräch, Car and Driver – eBoost-Air-Präsentation und The Drive – SRT-Pressebilder und technische Einordnung.